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| Pressespiegel zum SSI-Projekt: Online-Veröffentlichungen | |||||||
| 15. Januar 2001 | |||||||
| Med-Online | |||||||
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Kommentar Suchtrisiko Chat?
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Prof. Dr. Matthias Jerusalem Das Internet hat ein enormes Potential und bietet große Chancen, beinhaltet aber auch Risiken, die sogar zur Internetsucht führen können. Es gibt Menschen, die vom Internet nicht mehr loskommen, für die alles andere unwichtig wird, die Beziehungen und Pflichten vernachlässigen und es kaum ertragen, wenn sie nicht im Internet sein können. Nach unseren Studien liegt bei ungefähr drei Prozent der Internet-Nutzer ein solches Suchtverhalten vor. Die größte Anziehungskraft und das stärkste Suchtpotential geht von Chat-Systemen aus, insbesondere dann, wenn virtuelle Kommunikation und Beziehungen wirkliche zwischenmenschliche Beziehungen ersetzen. Gefährdet sind Menschen mit schwachem Selbstwertgefühl und Kontaktproblemen, da im anonymen Chat Hemmungen wegfallen, Gefühle leichter auszusprechen und Beziehungen schneller aufzubauen sind als im Alltag. Ebenfalls gefährdet sind Personen, die einsam, unzufrieden sind, sich unwohl fühlen und hoffen, durch virtuelle Kontakte ihre Situation zu verbessern. Die scheinbare Leichtigkeit des vollkommen von der Alltags-Realität losgelösten sozialen Miteinanders im Chat übt vor allem auch auf Jugendliche eine ungeheure Faszination aus, die in eine psychische Abhängigkeit führen kann. Dies bedeutet nicht, dass Chat-Systeme zu Katastrophen-Szenarien führen müssen. Der größte Teil der Internet-Nutzer ist wenig suchtgefährdet und durchaus in der Lage, Chat-Aktivitäten in vernünftigem Ausmaß ohne negative psychische Folgen zu betreiben. Wichtig ist, dass man sich keine Scheinwelt aufbaut, sondern sich über den virtuellen Charakter von Chat-Räumen stets bewusst ist und reale soziale Beziehungen und Kontakte im Alltag sowie Familie, Beruf und Freizeit nicht vernachlässigt. Prof. Dr. Matthias Jerusalem leitet das auf vier Jahre angelegte Projekt "Stress und Sucht im Internet" am PSILab der Humboldt-Universität zu Berlin, das bis 2003 ein Instrument zur Diagnose von Internetabhängigkeit entwickeln will. Weitere Ziele sind die Schätzung von differenziellen Prävalenzen in Deutschland, Korea und den USA sowie eine erste Exploration möglicher Ursachen und protektiver Ressourcen. Derzeit läuft die vierte Phase des Projekts. Der aktuelle Online-Fragebogen und die Auswertung der Pilotstudie mit 9.000 Teilnehmern sind unter www.internetsucht.de abzurufen. |
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© 2000 Lehrstuhl für Pädagogische Psychologie und Gesundheitspsychologie der Humboldt-Universität zu Berlin |
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