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| Pressespiegel zum SSI-Projekt: Tageszeitungen | |||||||
| 2. September 1999 | |||||||
| Die Zeit | |||||||
| Interview
von Angelika Dietrich
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| André Hahn, 35, Diplompsychologe Die Zeit: Mit Kollegen wollen Sie jetzt an der Humboldt-Uni die Internetsucht wissenschaftlich untersuchen. Wann spricht man von Sucht? Hahn: Wenn fünf Kriterien erfüllt sind: Die Einengung des Verhaltensraumes, also wenn man die meiste Zeit des Tages am Computer sitzt, Computerzeitschriften liest, den PC aufrüstet. Also sich alles nur um das eine Thema dreht. Zweitens der Verlust der Kontrolle: man sagt: heute surfe ich nur bis 20 Uhr, dann sitzt man doch wieder bis drei Uhr da. Drittens, die Toleranzentwicklung: die Dosis wird nach und nach gesteigert. Viertens: psychische Entzugserscheinungen und fünftens, das wichtigste: die negativen Konsequenzen die man sowohl im psychischen, sozialen und körperlichen Bereich spürt: Unzufriedenheit, Ärger mit Freunden und der Familie, Schlafmangel, Gereiztheit. Diese Kriterien gelten auch bei verhaltensbedingten Suchtformen, wie zum Beispiel Kaufsucht oder Spielsucht. Die Zeit: Wieviele Süchtige gibt es bereits? Hahn: Amerikanische Studien nennen Zahlen von 13 - 17 Prozent aller Online-Nutzer. Das scheint uns viel zu hoch. Unsere Vermutung ist, daß die Zahl der Süchtigen im Promillebereich liegt. Die hohen Zahlen kommen daher, daß Internetsucht noch nicht genügend diagnostiziert ist und in diesen Studien bereits der als süchtig eingestuft wird, auf den nur zwei oder drei Kriterien zutreffen. Wer zum Beispiel beruflich den ganzen Tag vor dem Computer sitzt, kann da schon drunter fallen. Die Zeit: Sie wollen also die Zahlen korrigieren? Hahn: Ja, zum einen. Zum andern wollen wir rausfinden, was die Leute anfällig macht: Spiele, Chatgroups, Cybersex? Um dann präventiv dagegen vorgehen zu können. Die Zeit: Wer kann an ihrer Studie teilnehmen? Hahn: Jeder. Das ist uns ganz wichtig. Wir wollen nicht nur Meldungen von denen, die aufgrund einer Selbstdiagnose meinen, sie haben Probleme mit dem Medium. Wir suchen den Otto-Normal-Nutzer, der zum Beispiel nur einmal in der Woche seine e-mails abruft. Für den wird allerdings der Fragebogen ein bißchen langweilig, weil er meist mit "nein", "stimmt nicht", "trifft überhaupt nicht zu" antworten wird. Aber nur so bekommen wir einen repräsentativen Querschnitt. Die Zeit: Was wollen Sie wissen? Hahn: Wir fragen fünf Bereiche ab: Die Netznutzung, die Abhängigkeit, die Selbstwirksamkeit - also wie schätzt man die eigene Kompetenz ein, läßt man sich durch Angebote verleiten? Viertens die positive Konsequenz - was verspricht man sich vom Internet - und dann die demographischen Daten, wie Alter, Geschlecht, etc. Die Zeit: Wohin wendet man sich, wenn man mitmachen will? Hahn: Natürlich übers Internet: www.internetsucht.de. Dort füllt man einen Fragebogen aus, das dauert etwa 22 Minuten, das wars. Die Zeit: Wann rechnen Sie mit Ergebnissen? Hahn: Ein erster Zwischenbericht wird im Oktober vorliegen. AnD |
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© 1999 Lehrstuhl für Pädagogische Psychologie und Gesundheitspsychologie der Humboldt-Universität zu Berlin |
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